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Microneedling: 3000× bessere Wirkstoffaufnahme?

vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit
beauty mythen- bessere Wirkstoffaufnahme durch Mikroneedling

„Die Haut nimmt bei der Behandlung spezielle Wirkstoffe in hoher Konzentration bis zu 3000× besser auf.“


Diesen Satz liest man inzwischen häufiger im Internet – insbesondere auf den Webseiten von Kosmetikstudios, die Microneedling anbieten. Es wird von einer „3000-fach höheren Wirkstoffaufnahme“ gesprochen.


Wow – 3000-fach? Das klingt natürlich beeindruckend.


Aber was steckt wirklich hinter dieser Aussage?

Die berühmte Zahl 3000 taucht im Internet nicht nur als „3000-fach“, sondern teilweise auch als „bis zu 3000 %“ auf. Eine Website behauptet beispielsweise, die Wirkstoffwirkung könne sich nach einer Dermaroller-Behandlung um bis zu 3000 % erhöhen und beruft sich dabei auf die US National Library of Medicine.


Wie aus 3000 % möglicherweise 3000-fach wurde

Bei unserer Recherche fällt etwas Interessantes auf: Die Zahl 3000 taucht im Internet in unterschiedlichen Formulierungen auf – unter anderem als „3000 %“ und als „3000-fach“.

Und hier lohnt sich ein Blick auf die Mathematik:

3000 % sind nicht 3000-fach.

Eine Steigerung um 3000 % entspricht rechnerisch dem 31-Fachen des Ausgangswertes.

Eine 3000-fache Steigerung wäre dagegen eine Zunahme um 299.900 %.


Wie genau sich die heute verbreitete „3000-fach“-Aussage entwickelt hat, lässt sich anhand einer wissenschaftlichen Originalquelle nicht eindeutig nachvollziehen. Es wäre deshalb unseriös zu behaupten, dass eine Verwechslung von Prozentangabe und Faktor definitiv der Ursprung dieses Mythos ist.

Aber eines zeigt die Recherche sehr deutlich:

Eine beeindruckende Zahl wird im Internet schnell weitergegeben – und dabei kann sich ihre Bedeutung verändern.


Was passiert beim Microneedling tatsächlich?

Beim kosmetischen Microneedling entstehen durch die feinen Nadeln zahlreiche kontrollierte Mikrokanäle in der Haut.

Dadurch wird die natürliche Hautbarriere vorübergehend durchlässiger. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass sich nach einer Behandlung mit 0,5 mm der transepidermale Wasserverlust (TEWL) deutlich erhöht. Die Haut beginnt anschließend, ihre Barriere wiederherzustellen.


Ja – die Haut kann dadurch vorübergehend aufnahmefähiger werden.

Das bedeutet aber nicht automatisch:

„Jedes Serum wird 3000-mal besser aufgenommen.“

0,5 mm sind entscheidend

Beim kosmetischen Microneedling beträgt die Nadellänge maximal 0,5 mm.


Tiefere Anwendungen gehören in einen anderen, invasiveren Anwendungsbereich.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Veränderung der Hautbarriere von der Nadeltiefe abhängt.

Ergebnisse aus tieferen Behandlungen lassen sich deshalb nicht einfach auf ein kosmetisches 0,5-mm-Needling übertragen.

Außerdem hängt die Penetration davon ab, welcher Wirkstoff verwendet wird und wie das Produkt formuliert ist.

Es gibt also keinen allgemein gültigen Faktor wie „3000ד.


Mehr Wirkstoff bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung

Hier wird es besonders interessant.

Wenn die Hautbarriere nach dem Needling vorübergehend durchlässiger ist, gelangen nicht nur gewünschte Wirkstoffe leichter in die Haut. Auch andere Bestandteile eines Produktes können leichter eindringen.

Genau deshalb ist es keine gute Idee, einfach irgendein hochkonzentriertes Serum in frisch genadelte Haut einzubringen.

Ein Produkt, das für die Anwendung auf intakter Haut entwickelt wurde, ist nicht automatisch für eine frisch mikroverletzte Haut geeignet.

Die wissenschaftliche Literatur weist ausdrücklich darauf hin, dass nach Microneedling auch das Eindringen potenziell reizender kosmetischer Inhaltsstoffe berücksichtigt werden muss.


Dieses Thema haben wir bereits ausführlicher in unserem Blog behandelt:

„Microneedling: Seren ‚einschleusen‘? Warum das keine gute Idee ist“

Dort erklären wir genauer, warum die erhöhte Durchlässigkeit der Haut nicht automatisch ein Vorteil ist und warum die Auswahl der Produkte nach dem Needling so wichtig ist.


Und was bringt Microneedling dann wirklich?

Microneedling sollte nicht darauf reduziert werden, möglichst viel Serum möglichst tief in die Haut zu bekommen.

Der eigentliche Ansatz der Behandlung liegt in der kontrollierten mechanischen Stimulation der Haut. Die Mikroverletzungen setzen einen gezielten Reiz und aktivieren die natürlichen Reparatur- und Regenerationsprozesse.

Die vorübergehend erhöhte Durchlässigkeit der Haut ist dabei ein interessanter Nebeneffekt – aber kein Grund, möglichst viele Wirkstoffe in die Haut einzubringen.



Unser Fazit:


MYTHOS ZERSTÖRT!

Mehr Durchlässigkeit ja – 3000× bessere Wirkstoffaufnahme nein.


Die 3000-fache Wirkstoffaufnahme klingt beeindruckend – wissenschaftlich lässt sie sich für kosmetisches Microneedling mit maximal 0,5 mm jedoch nicht als allgemeingültige Aussage belegen.

Was stimmt: Microneedling kann die Haut vorübergehend durchlässiger machen und dadurch die Penetration bestimmter Wirkstoffe verbessern.

Was nicht belegt ist: Dass kosmetische Seren grundsätzlich 3000-mal besser aufgenommen werden.

Und für uns bei beautymedix gilt:

Nicht möglichst viel Wirkstoff in die Haut bringen – sondern die Haut gezielt und sinnvoll behandeln.

Denn Microneedling soll die natürlichen Regenerationsprozesse der Haut anregen – nicht sie durch unnötige zusätzliche Reize ausbremsen.


Quellen:

Marburg – Kaushik & Keck: Einfluss mechanischer Hautbehandlungen auf die Wirkstoffpenetration.

Friedrich-Schiller-Universität Jena – Badran, Kuntsche & Fahr: Einfluss von Nadellänge und Formulierung auf die Wirkstoffpenetration.

Studie zur Hautbarriere nach Microneedling: Untersuchung von 0,5 und 1,5 mm sowie des transepidermalen Wasserverlustes.

Gesundheitsamt Berlin-Neukölln: Einordnung des kosmetischen Microneedlings bis 0,5 mm.

U.S. Food & Drug Administration (FDA): Microneedling – Risiken und Anwendung in Verbindung mit Kosmetikprodukten.









 
 
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